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Kolumbien - Kaffedreieck bis Karibik


WEITER GEHTS, NUR LANGSAMER ALS GEDACHT
Montag der 20.11.2017 unser Tag 396, Villa de Leyva - Puerto Boyaca, 27581 km

Nachdem wir uns 3 Tage später als geplant, gegen Mittag endlich von Villa de Leyva und den beiden Österreichern trennen können, fahren wir vom Regen in die Taufe wie man so schön sagt.
Da Puschi so langsam auseinander fällt, waren wir uns einig, dass Schotterstraßen, zumindest längere Passagen von uns unbefahren bleiben. Unser ursprünglicher Plan von Vila de Leyva über Bogota und Honda ins Kaffeedreieck zu fahren wurde uns mehr oder weniger ausgeredet. Gegen alle Vernunft hören wir auf den Rat eines LKW Fahrers, wir sollten doch lieber die Routa 60 von Chiki nach Puerto fahren. Denkt nur an den Stadtverkehr in Bogota, eh ihr da durch seid... usw. Also auf zur Routa 60. Unser Ziel an diesem Tag ist das 270 km entfernte Puerto, Navi sagt drei Stunden wir planen gut fünf ein.

Wir kommen die ersten 50 km gut und schnell voran, vielleicht ja doch nur 3 Std?! Denken wir noch hoffnungsvoll und biegen auf die Routa 60 ab. Schon nach wenigen Kilometern wird die Straße deutlich schlechter, nun gut vor ein paar Schlaglöchern wurden wir gewarnt.
Aus Erfahrung wissen wir eigentlich, dass eine Straße nie besser wird (dies gilt richtungsunabhängig). So auch diesmal, die durchgehende asphaltierte Straße wird zur ab und an mal ein Stück asphaltierten Straße, bis sie irgendwann komplett in eine Schotterpiste übergeht.


Wenn wir nun gedacht haben noch schlimmer kann es nicht werden, wird uns schnell klar auch hier liegen wir weit daneben. Die Schotterpiste verwandelt sich in eine Art Waldweg, ein schlecht gewarteter noch dazu. Die Bäume hängen tief, wir müssen diverse mehr und weniger tiefe Flussbetten durchqueren und sind an einigen Stellen heilfroh, dass uns kein anderes Fahrzeug entgegen kommt.


 


Die wahnsinnige Landschaft durch die diese Strasse führt kommt ein wenig für die katatstrophalten Straßenverhältnisse auf. Wir fahren vorbei an Bananen und Mangos, es ist tropisch warm und die Luftfeuchte steigt mit jedem Meter den wir hinab fahren.




Pünktlich um 6 wird es innerhalb einer viertel Stunde stock duster. Man sieht nichts mehr von der tollen Landschaft, sondern hört nur noch die Geräusche des Dschungels und wird von einem grinsende Mond und Millionen Sternen angeschaut. Wir haben knapp die Hälfte der Strecke geschafft.

Aller 20 km, für uns also in etwa so einmal die Stunde taucht am Straßenrand eine Häuseransammlung auf. Die Häuser sind eigentlich eher Bretterbuden. Die Fenster sind weder verglasst, noch haben sie sonst einen Sicht oder Viehzeug Schutz und bieten uns somit einen direkten Einblick in das Leben der hier lebenden Menschen. In den Zimmern stehen Betten mit (manchmal) Moskitonetzen, draußen liegt die Wäsche über Dach und Zaun zum trocknen, die Küche ist eine Außenküche, Töpfe hängen oder liegen im wilden durcheinander herum. Überall davor und um das Haus sind Hühner, Enten, Hunde und Kinder verteilt.  Die Dusche besteht aus einem separatem Häuschen oder dem Wasserfall gegenüber.    





Sie haben ganz offensichtlich nicht viel, doch was es überall in jeder noch so ärmlich aussehenden Hütte gibt, ist ein Flachbildschirm, davor sitzen in Plastikstühlen oder auf dem nackten Betonfussboden die ganze Familie und schaut die beliebten und schnulzigen Telenovelas. Am beliebtesten sind die aus Indien. Stärker kann ein Kontrast der zwei Welten gar nicht sein, wie das der Reichen und Schönen in den Serien und dem einfachen leben hier.
Die Strasse bleibt bis zum letzten Meter grausig und nach 8 Stunden haben wir die Hälfte bis zu unserem nächsten Ziel geschafft.



DER SCHWARZE DIENSTAG
Tag 397, Routa 60 - Manizales 

Endlich ist die Schlammwühlerei vorbei und wir befinden uns wieder auf asphaltierter Strasse. Wir fahren nach Honda und legen eine Pause ein um durch die Gassen der kleinen Kolonialstadt zu schlendern.

die Gassen von Honda

friedliches Idyll

 Sammeltaxi
 
noch ist alles Tutti Frutti - das ändert sich gleich

Der LKW zieht rüber, obwohl er uns gesehen hat. Dann geht es recht schnell ein lautes quietschen unserer Reifen und erst trifft uns der LKW und dann ein zweiter Knall als wir die Betonleitplanke treffen. Der Fahrer hat auch den Zusammenstoß gemerkt und sogar im Seitenspiegel beobachtet. Er hält für ein paar Sekunden 100 m weiter, fährt dann aber schnell von dannen.
Greta ist wohlauf und äußert sehr treffend Bumm. Jenni ist auch ok. Nur unser Puschi sieht schlecht aus. Nach ein paar Minuten machen wir eine Bestandsaufnahme und zweifeln an der Weiterfahrt. Für die nächsten 40 km zeigt die Karte keine Orte oder ähnliches an und Abschleppwagen haben wir auf der Strecke keine gesehen.

erste Schadensaufnahme 

Wir sind auf uns gestellt, denn keines der paar wenigen Autos die hier vorbeikommen hält an. Zwei Stunden sind es noch bis zur Dunkelheit, dass spornt an erfinderisch zu werden. Also zuerst die Felge runter und das Ersatzrad drauf. Dabei ist leicht zu erkennen, dass der Querlenker abgerissen ist. Zum Glück hat es nur eine Schraube abgescherrt, die andere ist noch im Gewinde und hat ein Stück aus dem Querlenker gerissen. Gut 10 cm muss er hoch und min 2 cm fehlen bis zur ursprünglichen horizontalen Position. Der Wagenheber richtet die vertikale Diskrepanz die horizontale kann nicht mal der schwere Hammer richten. Eine große Unterlegscheibe könnte es vorerst richten. Haben wir keine also muss der Maulschlüssel dran glauben. Mittig geteilt passt der 17er perfekt. Mit dem Spanngurt zusätzlich abgesichert, im Falle es hält nicht, sodass wenigstens das Rad beim fahren halbwegs in der Richtung bleibt. Kotflügel und Stoßstange noch in eine Position gebracht, sodas fahren möglich ist und los geht's.



150 m schaffen wir und geben auf. Die Räder stehen derart aus der Richtung, dass das lenken unmöglich ist. Ok, Spur einstellen. Beim Trabant schon selbst gemacht, sollte es doch auch hier möglich sein. Alle Schrauben lösen sich problemlos und nach 20 Minuten fahren wir. Klar, es sind deutlich mehr als ein paar Millimeter, aber Hey wir rollen mit bis zu 30 km/h Richtung Manizales. Diese Auto ist der blanke Wahnsinn. Anfangs hatten wir Puschi als etwas charakterlos angesehen, aber wir haben in mehr als einem Jahr erkannt welches Durchhaltevermögen unser Puschi besitzt. Keinem anderen Auto würde ich zutrauen nach der Nummer weiter zu fahren, klar ist er jetzt erstmal nicht der Schönste, aber es ist nix kaputt was ein Weiterfahren unmöglich macht. Morgen entscheidet sich wie es weiter geht, Hopp oder Top, oder etwas treffender Ganz oder Schrott.

Fiat und Lada Manizales wir können es kaum glauben. Hoffnung keimt auf, denn es ist der erste Fiat Händler seit Chile den wir sehen. Nach 2 Minuten sind es schon fünf Mechaniker die ums Auto stehen und fachsimpeln. Ersatzteile habe die hier keine. Nur für kleine Pkws, aber eine gute Idee wer es richten könnte ist schnell parat. Einer erklärt sich bereit vorraus zu fahren und wir sind so dankbar für die Gastfreundschaft die uns entgegen gebracht wird.  In der anderen Werkstatt ist unser Puschi kein irreparables Monster. Halb so wild morgen um 7 richten wir's. Natürlich der Reihe nach. Erstmal das Wesentliche zum weiterfahren. Querlenker und Antriebe, dann das Optische.
Nachdem alles geklärt ist gehen wir in die Stadt und vertreiben die kreisenden Gedanken.

Seit längeren steht für uns fest, dass die Reise durch Südamerika in Kolumbien für uns zu Ende ist und wir uns von Puschi trennen werden. Seit ein paar Wochen steht er im Nestz zum verkauf und ausgerechnet heute erhalten wir eine konkrete Anfrage von einer Familie aus Deutschland - das timing könnte nicht besch* sein.


REPERATUREN DIE ERSTE
Tag 398, Manizales 

Ein Tag von vielen weiteren beginnt. Gegen um acht fängt es am am Auto zu Wackel. Aufbocken und Querlenker raus. Die Schmiede nebenan richtet alles. Derweil kommt der Glaser wegen der Windschutzscheibe und will bis morgen Bescheid wissen. Zeitgleich kommt der Besitzer des Ladens nebenan vorbei und nimmt sich ungefragt die eine Plastikecke der Stoßstange. Eine halbe Stunde später bittet er mich zum Kaffee und zeigt sein Werk. Wie neu, er hat die Befestigungspunkte eingeklebt und mit einem feinen Drahtgitter laminiert. Ich bau noch die Zweite aus und drück sie ihm in die Hand.  20 Minuten später glaube ich er hat einfach eine Neue gekauft, aber so was gibt's hier nicht.


auch Greta ist wieder fleißig dabei

Ich habe Leo, dem Besitzer der Werkstatt noch heute früh versucht zu überreden einen neuen Kotflügel zu organisieren. Er führt mich zum Klempner und Lackierer um die Ecke und wir bestaunen seine Arbeit.  In der Werkstatt steht ein Wrack und mit hydraulischen Pressen richten und entfalten sie es. Überall sind Schweißnähte und es scheint unmöglich daraus ein Auto zu machen. Die anderen in der Halle glänzen und funkeln wie Neuwagen, aber sahen vor einer Weile genau so aus. Hoffnung keimt auf. Wilson der Klempner findet den Schaden weniger schlimm, würde aber gleich die Motorhaube mit lackieren, damit es gleich aussieht. Der ausgemachte Preis, hahaha kommt später.


Als das geklärt ist geht es um den Antrieb und die Achsmanschetten. Leo und Sören gehen eine Straße weiter zur nächsten Werkstatt, der Meister sagt zu das Auto an Ort und Stelle zu richten und kommt eine Stunde später vorbei. Zwischenzeitlich organisiert Leo noch einen Sattler der den Fahrzeugsitz neu polstert und die aufgerissene Naht flickt. 2 Stunden später ist er mit dem Sitz zurück und baut ihn ein. Jetzt sind die Achsen dran. Vorn links zuerst dabei werden noch alle Gummis erneuert. Diese werden anhand eines Originals aus Traktorteifen geschnitten und gedreht. Egal welche Form und Größe in einer Viertelstunde bauen die alles nach. Dort bin ich heute noch 2 mal um wirklich alles zu erneuern und hoffentlich das Klappern, das wir schon von Anfang an auf Schotterstraßen haben zu beseitigen.

Als die Achse endlich raus ist dauert es nur 20 Minuten bis neue Achsmanschetten dran sind. Der Einbau wird leider durch den heftigen Regen, der um fünf einsetzt bis morgen unterbrochen. Zeitgleich bekommt Puschi noch neue Bremsklötze, die zu besorgen war meine Aufgabe. Puh echt schwierig, aber nach einer halben Stunde habe ich 4 neue in der Hand. Klar, haben die mehr als gewöhnlich gekostet, was mir Leo und seine Kollegen natürlich unter die Nase reiben, aber egal Hauptsache neue. Was für ein unglaublich produktiver Tag. Der Unfall ist auch schon gut verdaut und halb so schlimm, denn wir wollten ja ohnehin alles Nötige erneuern, ist jetzt halt nur ein bisschen mehr geworden.

nach dem anstrengenden Arbeitstag erst mal entspannen


REPERATUREN
Tag 399, Manizales  

Ausgemacht war zwischen 7:30 und 8 für den Einbau der einen Achse und zum Wechseln der anderen Seite. So beginnt Sören 8 Uhr mit der Arbeit. Etwas nervt der dafür zuständige Typ schon. Gestern hat er alle Schrauben fallen lassen und da wir es mit der Autowäsche immer nicht so genau nehmen ist alles von einer dicken Schlammkruste versiegelt. Diese bröckelt bei der Arbeit ab und verdreckt alles. Sören räumt ihm alles hinterher und reinigt alle ausgebauten Teile. Als die Achse ohne Fett eingebaut werden soll, platzt ihm fast der Kragen und verbietet ein weiter machen bis er eine Dose Fett gekauft hat. Man(n) kann seine deutschen Wurzeln halt doch nicht ganz ablegen.


 

Also gar nicht so schlimm, dass der Mechaniker, wie er hier genannt wird sich verspätet. Um 11 kommt er dann an und wundert sich warum schon das linke Rad wieder am Auto ist. Sören drückt ihm nur die andere Achse in die Hand und schickt ihm zu seinen Chef um die Manschetten wechseln zu lassen. Als er zurück kommt will er diese einbauen, aber Sören lässt ihn nicht mehr ans Auto. Er findet es auch halb so schlimm und hört sich geduldig eine nach der anderen Belehrung an. Zeitgleich wird die kaputte Felge gerichtet und zum Ersatzrad degradiert.



Nachdem Puschi wieder gerichtet auf eigenen Rädern steht geht es zum Spur einstellen. Auch um die Ecke und bei der Fahrt durchs Viertel winken alle die bis jetzt dran werkeln durften oder fleißig Ersatzteile ausgegeben haben. Beim vermessen der Spur wird leider festgestellt, dass der Sturz nicht passt. Halb so schlimm findet Leo. Wir glauben ihm mittlerweile, denn er kann wirklich alles wieder richten. Heute haben wir sogar eine Zündverteilerkappe bekommen. Wir haben schon viele Stunden, in vielen Ländern damit zugebracht eine neue zu finden. Hier hat es nur 15 Minuten gedauert. Mittlerweile macht es sogar fast schon Spaß von einem Laden zum nächsten und wenn es etwas nicht gibt wird es hergestellt. Haben sogar die Motorlager erneuert, nicht notwendig, war aber kostenlos und wenn man schon mal dabei ist.
Leider bekommen wir keine neue Windschutzscheibe, nicht in Manizales, Bogota oder Medelin verfügbar. Mal sehen was uns da noch einfällt.


REPERATUREN DIE DRITTE
Tag 400, Manizales - Pereira

Heute früh wird als erstes der Stoßdämpfer gerichtet. Als alles ausgerichtet ist muss neu vermessen und eingestellt werden. Also wieder eine Querstraße weiter. Diesmal ist alles in Ordnung, wir sind erleichtert und Leo ist mächtig stolz auf sich. Hat auch allen Grund dazu. Nachdem auch noch die Reifen ausgewuchtet wurden fahren wir zum Klempner und Lackierer. Auch auf der Straße, nur einen Block zurück. Er wartet schon fast sehnsüchtig, wir haben das Auto noch nicht mal richtig geparkt, da fängt er schon an. Als die Stoßstange ab ist gehen wir nochmal durch was alles gemacht werden soll. Doch dafür hat er kaum Zeit, er dängelt schon am Kotflügel herum als Sören noch erklärt. Offenbar unnötig zu besprechen. Ok, jetzt liegt es nicht mehr an uns. Wir können hier nix mehr richten, also fahren wir einfach in den Urlaub solange er zum zaubern braucht.
Salento im Kaffeedreieckt ist das Ziel. 


BUSFAHRTEN 
Tag 401, Pereira - Salento

Gestern Nachmittag setzen wir uns nach vielen Monaten wieder in die öffentlichen Verkehrsmittel und benutzen den Bus. Schrecklich wenn man bedenkt, dass alle Busfahrer hier geisteskrank sind, jeder will der Erste sein, Kurven werden geschnitten, es wird sich mit Autos gebattelt, diese werden auch gern mal ausgebremst und das Handy ist dauerhaft in der rechten Hand oder zwischen Schulter und Ohr. Wir sterben tausend Tode, kommen aber am Abend in Pereira an. Für uns nur ein nichtssagender Zwischenstopp nach Salento. Außer dem schönen Plaza gibt es hier auch nicht viel zu sehen und das Hostel ist auch nicht die Wucht.
Von hier aus nehmen wir den Bus und sind nach 2 Stunden in Salento. Herzstück und Touriort für das legendäre Kaffedreieck und dem Cocoa Valley.

unsere nette Unterkunft







KAFFEETOUR
Tag 402, Salento

Beim Frühstück wird uns geraten heute ins Cocoa Tal zu fahren und reiten zu gehen, doch als wir auf dem Marktplatz stehen deuten die Wolken an: Hey in 2 Stunden wird's regnen. Wir glauben ihnen und nehmen kurzerhand einen Jeep zu den berühmten Kaffeeplantagen. Dort angekommen machen wir eine Tour über die Plantage. Ja, schon wieder, aber wir lernen immer Neues dazu, denn keine der Touren beschäftigt sich wirklich intensiv mit allem was es so zu wissen gibt.



Diesmal lernen wir, dass der Kaffeestrauch mit den gelben Kirschen gezüchtet wurde, damit der Kaffeekirschenkäfer, der einzige wirkliche Schädling mit einer schwäche für die roten Beeren, nicht dran geht und aus der ersten Wahl eine 2. oder Ausschuss macht.



Die Schale der Kirsche wird zu 70 % und damit Hauptbestandteil des Instant Kaffees, die Bohne wird hier 8 Stunden, mit geringer Hitze geröstet und gedüngt wird mit durch Bioabfall gefiltertes Regenwasser. Eine Pflanze benötigt einen Quadratmeter Boden und produziert in neun Monaten ein bis zwei Kilo. Wir kaufen noch ein halbes Kilo der 3 Tonnen jährlich und machen uns auf den Weg zurück.

schälen                                        trocknen


rösten                               mahlen


Nach einer halben Stunde werden wir von einem Jeep eingeholt und mitgenommen. Zum Glück denn pünktlich mit der Ankunft in Salento fängt es an zu schütten. So warten wir essend den Regen ab. Eigentlich eine schlechte Jahreszeit um hier zu sein. In Kolumbien ist jetzt Regenzeit, aber es ist ähnlich wie in Asien eine oder zwei Stunden und danach ist es wieder schön. Im Anschluss gehen wir noch eine Runde spazieren auf den kleinen Hügel am Rande der Stadt und beobachten den Sonnenuntergang. Naja wir sehen uns den pink leuchtenden  Himmel durch die Wolken an. Trotzdem schön.


Zurück in der Unterkunft erwartet uns noch eine kleine Überraschung. Jenni hat die Tür hinter sich wohl etwas fest zugeschlagen, sodass sie sich von selbst verriegelt hat. Leider ist sie nun von außer nicht mehr zu öffnen. Die Hausherrin kennt wohl das Problem und kommt mit einem dünnen Plastikhülle eines Ausweises wieder. Damit öffnen wir dann von außen das Fenster. 15 Sekunden dauert das. Wirklich sehr beruhigend. Greta hat heute auch wieder so einen Tag der Tage. Beim spazieren fällt sie in ein Loch, guten halben Meter tief und nur ganz knapp mit dem Kopf am Stacheldraht vorbei, im Restaurant fällt sie eine kleine Treppe runter und alle halten für Sekunden die Luft an, zum Glück wieder nix passiert. Hat sich nur erschrocken fängt trotzdem zu heulen an, alle schauen immer noch und sie kippt keine 20 Sekunden später samt Stuhl um. 30 Augen im Restaurant sagen was seit ihr nur für Eltern, denn wir müssen bisschen lachen weil's wirklich lustig aussah. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Birnbaum, oder so ähnlich.


HOCH ZU ROSS
Tag 403, Salento


Heute scheint die Sonne und so geht unser Plan auf. Wir nehmen den ersten Jeep in das 25 Minuten entfernte Cocoa Tal und sitzen eine halbe Stunde später auf dem Gaul. Greta zuliebe reiten wir, sonst würden wir wohl auch lieber laufen, aber sie liegt uns schon seit dem ersten Tag in den Ohren. Greta sitzt vorn und Sören ist sozius. Damit ist auch die Hackordnung eingehalten.


Eineinhalb Stunden hin und genauso zurück haben wir gebucht. Es geht ein kurzes Stück die Straße runter und der Weg biegt links ab. Nach 150 m raschelt es laut oberhalb des steilen Hangs und keine fünf Meter vor uns kommt eine ausgewachsene Kuh den Hang hinunter gerollt. Ja, gerollt, hätten bis dahin nicht gedacht das, dass möglich ist. Die Pferde erschrecken sich, drehen um und springen davon. Der Guide reagiert aber schnell und greift beherzt an die Zügel. Wir bleiben zum Glück sitzen und lachen uns über den Einsatz der Kuh kaputt. So kanns weiter geh'n denken wir, als es ganz gemächlich den Weg weiter hinunter geht.





Geht's auch, denn nach einem anstrengenden Stück durch Schlamm und Matsch geht's in den Wald und der ist wirklich abenteuerlich. Unter umgestürzten Bäumen hindurch und sieben mal durchqueren wir den Fluss. Was Pferde alles können, echt cool und die Schuhe bleiben trocken und sauber, vorausgesetzt man hebt die Beine.










500 Meter vor dem berühmten Kolibri House müssen wir dann doch laufen. Aber es ist trocken hier, sonst hätte es ja keinen Sinn gemacht. Am Haus summt und brummt es. Sieben Arten von Kolibris können hier bestaunt werden und wir zählen immerhin sechs verschiedene Arten.










Der Rückweg ist auch für uns schwierig, denn es geht hauptsächlich bergab und Greta rutscht noch zusätzlich hin und her. Ab halber Strecke schläft sie dann ein und ab da wird's bisschen peinlich. Zwei körperlich fitte Jugendliche (haha) nehmen das Pferd und alle anderen laufen den Weg. Hoffentlich sehen wir uns ein zweites Mal und diesmal mit einem wachen Kind.














Auf dem Rückweg sind wir noch an einer Forellenzucht vorbeigekommen. Die Gegend ist berühmt dafür und so probieren wir. Die Forelle ist gut, aber wir finden an jedem Gericht unmengen von Käse, dafür sollte Salento berühmt sein. Gestärkt unternehmen wir noch eine kleine Wanderung, damit wir uns wenigstens ein bisschen bewegt haben und fahren zurück.


WACHSPALMEN 
Tag 404, Salento

Nachdem wir uns gestern von der Schönheit des Valle del Cocora zu Pferd überzeugt haben unternehmen wir heute noch eine Wanderung um den Wachspalmen etwas näher zu kommen. 60 m werden diese hoch und sind somit die größten Palmen der Welt.





Wieder fahren wir mit einem der Jeeps die 30 min bis zum Eingang des Parks. Eigentlich gibt es für die einen konkreten Fahrplan, in Wirklichkeit fahren sie los wenn sich mind. 8 Personen in und an ihnen befinden. Das kann unter Umständen auch mal länger dauern.

Am Parkeingang sind wir sofort wieder im Bann der Einzigartigkeit dieser Gegend. Die riesigen Palmen scheinen unwirklich in der satt grünen Landschaft, es scheint statisch unmöglich zu sein. Doch selbst etwas schräg stehend und vom Wind angeschoben stark schwingend fallen diese nicht um.

















Wir laufen zwischen den Palmen umher, umgefallene dienen als Kletter und Balance Spiel.
Hier gibt es 3 Wanderwege und wir gehen den ersten Teil des Einen Weges, der uns hoch hinauf in die Berge führt. Von hier hat man einen fantastischen Blick über das Tal. Den eigentlichen Rundweg vollenden wir nicht, mit Kind und einsetzende Kurzatmigkeit kommt man nicht ganz so schnell voran. Wir gehen den Weg wieder zurück und nehmen trotzdem viele fantastische Eindrücke mit.


WIEDERVEREINIGUNG
Tag 405, Salento - Manizales

Nach dem Frühstück trennen wir uns von Salento und seiner schönen Umgebung und setzen uns in den Bus nach Manizales. Dort angekommen empfängt uns ein wie neu glänzender Puschi. Natürlich ist er noch nicht fertig, aber um ehrlich zu sein haben wir uns das schon gedacht. Also schicken wir Wilson los um neue Blinker zu kaufen. Als die am Auto blinken fahren wir zum folieren.  Die hat er auch vergessen zu machen. Dauert aber nur eine halbe Stunde, sodass wir in der Zwischenzeit noch die Aluwinkel fertigen lassen können um die Küchenzeile an der Außenwand zu verstärken. Jetzt ist es an der Zeit um bei Leo vorbei zu schauen und die Windschutzscheibe in Angriff zu nehmen.
Das sich gerade diese als so schwierig erweist, hätten wir nicht gedacht, in ganz Kolumbien gibt es keine Ersatzscheibe. und so ist Plexiglas die einzige Lösung die es für unseren Puschi gibt. Der Riss in der Scheibe ist prinzipiell nicht allzu wild, aber in Kolumbien werden kaputte Scheiben mit hohen Strafen geahndet, also wird's morgen trotz unserer Bedenken so werden.


EIN WEITERER WERKSTATTTAG
Tag 406, Manizales

Wie immer war 8 Uhr ausgemacht und es beginnt um halb 10. Wir haben uns während dessen schon über die Halterung des rechten Antriebs hergemacht. Das Gehäuse ist gebrochen und das Lager klingt komisch. Auch das ist hier kein Problem. Das Alugehäuse wird geschweißt und das Lager vom nächsten getauscht. 2 Stunden später ist alles wieder eingebaut und der Kühler hat auch gleich noch eine neue Gummilagerung bekommen, nicht unbedingt notwendig, aber für einen Euro macht's doch Spaß. Jenni hatte Sörens Enthusiasmus nicht teilen können und so hat Puschi eine neu lackierte Front aber noch immer die, jetzt nicht mehr zum Auto passenden Spiegel. Jenni wollte auf eine neue Lackierung verzichten, da es doch nur Spielerei ist. Recht hat sie, aber wie Puschi nun so da steht und jeder der vorbei kommt und bestaunt was es hier so zu bestaunen gibt einen abfälligen Blick auf die Spiegel wirft, trifft sie die Entscheidung, los gehts. Schnell sind sie abgeschraubt und schon steht der Nachbar mit der Spraydose bereit.
Sören bremst ihr aus und zerlegt den ganzen Spiegel, schleift die Teile gründlich und überreicht sie dann. Beim Zweiten hat sich dass dann rumgesprochen und eine kleine Trauben versammelt sich um heimlich zuzusehen. Vor dem Zusammenbau werden noch alle Plastikteile gesäubert und die beweglichen gefettet. Das spricht sich rum. Mit den immer dunkler werdenden Wolken kommt auch die neue Scheibe. Die bekommt auch noch neue Wischer und fertig ist das Werk. Was für ein Marathon, aber das Werk kann sich sehen lassen.




ABSCHIED
Tag 407, Manizales - Medellin,  28016 km

Heute soll es endlich weiter gehen. Es sind nur rund 200 km bis Medellin, doch werden wohl mindestens fünf Stunden dafür benötigt.
Etwas traurig sind wir schon alle, den in den paar Tagen sind uns die Menschen hier doch irgendwie ans Herz gewachsen. Uns wird bewusst was für ein Glück wir hatten an Leo zu geraten und wie Schade es ist das man sich wahrscheinlich nicht wieder sehen wird. Doch sind wir noch heute in Kontakt.

Wir halten nur einmal kurz zum Mittag und sind erst zum Kaffee trinken da, obwohl wir schon um neun los sind. Hier steigen wir direkt im Szene Viertel ab und bringen unsere Wäsche weg. Schön ist die Ecke der riesigen Stadt. Es ist vorwiegend grün. Viele kleine Parks sind verbunden durch Alleen. Da wir mehr Wäsche als der durchschnittliche Rucksackreisende haben und der Ladenbesitzer noch kein Wohnmobil gesehen hat macht er uns den halben Preis. Medellin empfängt ums also außerordentlich wohlgesonnen.


GROSSSTADTFIEBER
Tag 408, Medellin

Puschi bleibt in der Seitenstraße, in der wir die Nacht verbracht haben. Wir wollen die Stadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden und Medelin ist bekannt für seine Metro und die Seilbahn, diese ersetzt wohl jede Stadtführung. Zuerst fahren wir einmal längs durch die Stadt, immer am fürchterlich verdreckten Fluss entlang bis zur Seilbahn. Bis hier ist das Stadtbild nahezu unverändert, aber mit den ersten Stationen der Seilbahn wird einen drastische Veränderung sichtbar. Die Häuser sind maximal zwei geschossig, unverputzt und je höher die Bahn fährt, desto mehr Müll und weniger grün ist zu sehen. Hier rät auch der Stadtführer nicht mehr auszusteigen.












An der letzten Haltestelle die mit dem Ticket zu erreichen ist beginnt die Touri Seilbahn. Es geht bis auf 2400 m hinauf über die letzten Häuser die zuletzt von Feldern mit Mais umgeben sind.
Nach dem letzten bewirtschafteten Hangstück beginnt ein dichter ursprünglich scheinender Wald. Dies scheint jedoch nur auf den ersten Blick so - wir sind im Arvi Park gelandet. Erholungsort der Städter, vom Großstadtfieber ist hier in der unberührten Natur nichts mehr zu spüren. Die Mafia nutzte das Waldstück um ihre Opfer zu entsorgen und bis vor ein paar Jahren fanden die heute noch geführten Wanderungen  nur in Begleitung einer berittenen Polizeistaffel statt. Heute ist es wohl schon so sicher, dass ein rund um die Uhr Streife fahren um den Park und Wanderungen nur mit einem Parkranger ausreichen um nicht mehr zu verschwinden.



Wir haben das leider am Eingang nicht ganz verstanden, zugegebenermaßen haben wir uns auch keine allzu große Mühe gemacht und laufen nun allein eine Runde. Am Ausgang, der besser als der Eingang bewacht ist stoßen wir dann auf die geführte Truppe und dürfen uns böse Blicke von den anderen und eine triade der Rangerin anhören. So gehen wir die letzten 200 m unter besonderem Schutz zurück.


Auf dem Weg zurück in die Stadt machen wir am Plaza Botero halt. Hier hat der berühmte Künstler seine Werke ausgestellt, übergroße, unproportionierte, dicke Figuren.






Von hier führt auch die Fußgängerzone entlang an unendlich vielen kleinen Ramschläden. Einmal biegen wir wohl falsch ab und das Stadtbild verändert sich drastisch. Es riecht nach Ammoniak, überall lungern Obdachlose herum und käufliche Liebe gibt es an jedem Hauseingang. Mit Kind sind wir hier völlig fehl am Platz und sehen zu das wir wieder zurück kommen.

mobile Schuhverkäufer


2 JAHRE GRETA
Tag 409, Medellin,  der 2. Geburtstag von Greta

Das hätten wir wohl beide nicht gedacht dass Greta auch ihren zweiten Geburtstag im Puschi feiert. Den ersten haben wir im südlichen Argentinien gefeiert. Immerhin befinden wir uns jetzt 6300 km nördlich und in wärmeren Gefilden.
Im Gegensatz zum ersten Geburtstag, der wohl eher für uns Eltern von Bedeutung war, weiß sie diesmal das es ihr Tag ist. Wieder wird sie mit Luftballons, Kuchen und Geschenken geweckt. Das Highlight des bunt geschmückten Geburtstagstisches sind die M&M's und das selbst laufende Pferd.

 gespanntes Warten





Nach ausgiebigen Kuchen und M&M Frühstück unseres kleinen Süßmauls gehen wir heute den Parque Explore besuchen. Ein riesiger Komplex mitten in der Stadt mit Ausstellungen, Mitmachexperimenten und einem großen Aquarium.



 Greta erklärt die Welt - große Zähne

 von großen und kleinen Fischen

    so fühlt sich Greta 
 im Tonstudio


AUF ZUR LETZTEN ETAPPE
Tag 410, Medellin - Yarumal, 28146 km

16 Stunden bis nach Cartagena unserem nächsten Ziel und so hoffen wir ein wenig, unser Letztes auf dieser Reise. Ein Schiff geht am 16.12. vielleicht gibt es noch einen Platz für Puschi. Unsere Zeit wird knapp und eine andere Lösung als Puschi mitzunehmen fällt uns momentan nicht ein. Zur Feier des Tages, es ist schließlich Nikolaus, gehen wir in der Schweizer Bäckerei um die Ecke frühstücken. So wirklich motiviert die letzten 650 km zu fahren sind wir nicht und so trennen wir uns erst Mittag von Kaffee, Apfelkuchen und Pan Integral. Als wir so da sitzen kommt ein junger Mann vorbei und fragt auf russisch ob wir ihn verstehen und ob wir russisch sprechen. Leider kommt es, ohne nachzudenken nur in spanisch über unsere Lippen, ja wir verstehen dich. Haha, alles russisch gelernte getauscht. Bevor wir aufbrechen brauchen wir noch eine neue Versicherung. Wirklich schwierig die für nur einen Monat zu bekommen, denn die meisten versichern nur für ein Jahr. Auf dem Weg zum Büro halten wir noch bei einem Fiat Händler, vielleicht bekommen wir das Auto ja dort los. Der Händler ist begeistert und würde am liebsten sofort kaufen, doch leider auch von ihm die Antwort, er müsse erst prüfen, wie die Chancen stehen das Auto nach Kolumbien zu importieren. Die Antwort haben wir schon oft gehört und er wird sicher in den nächsten drei Tagen die selbe bekommen. Aber womöglich kennt er ja den richtigen Ansprechpartner für so was. Abwarten.

Die Versicherung abzuschliessen dauert auch ganz Südamerika like deutlich über eine Stunde, inklusive der fast 40 Minuten die, die Dame benötigt um eine Kollegin zu erreichen die weiß wie es geht. Sören zeigt ihr, nachdem sie 10 mal die ewig lange Nummer eingegeben hat die Taste REDIAL. Mit großen Augen starrt sie völlig ungläubig ihr Panasonic Telefon an, als es wie von Geisterhand eigenständig die Nummer wählt. Ob's ihr erster Tag hier ist traut er sich nicht zu fragen, aber vermutlich nicht. Somit kommen wir erst halb 4 los. Wir fahren gut 4 Stunden und schaffen immerhin knapp 100 km. Super... 


FAHRTAG
Tag 411, Yarumal - Corozal, 28532 km

Geschlafen haben wir vor einem Restaurant und um sicher zu gehen das die nette Besitzerin  wirklich auf uns aufpasst haben wir mit Greta zusammen noch was eingekauft. Leider liegt die Straße nur 20 m daneben und jeder laut bergauf schnaufende oder bergab laut zischende LKW weckt uns aus dem eh schon unruhigen Schlaf. Kurz nach Sonnenaufgang ist die Nacht vorbei und gegen neun kommen wir los. 41 km sagt das Navi sind es noch bis zum Fluss, bis es endlich kein ewiges hoch und runter gibt. Und genau so ist es nach 41 km nicht einmal das Gaspedal berühren müssen geht es über eine Brücke und ab jetzt ist es ein Kinderspiel.


386 km schaffen wir heute und kommen um halb sieben in Corozal, knapp 200 km vor Cartagena an. Eine Stunde Mittagspause und eine halbe Stunde auf der Suche nach einem Geldautomaten macht in Summe 8 Stunden Fahrzeit und das ergibt einen Durchschnitt von 48 km/h. Gebummelt haben wir nicht. Mehr ist bei den hiesigen Verhältnissen einfach nicht drin. Allein 5 mal mussten wir anhalten, warten bis wir an der Reihe sind und Maut bezahlen, insgesamt 16 € und wenn man bedenkt das ein Mittagessen mit Vorsuppe und Getränk im Schnitt 2,30 € kostet, sind das hier wirklich viel Geld.


DAS LETZTE ZIEL
Tag 412, Corozal - Cartagena, 28750 km

28 C° und die hohe Luftfeuchte die sämtliche Kleidung am Körper kleben lässt hat die Nacht hinter einer Tankstelle zu einer weiteren weniger erholsamen werden lassen. Das Wetter der Karibik kennen wir jetzt, also ab zum Meer um den Rest zu sehen. Die letzten 200 km vergehen wie im Fluge und Puschi rennt wieder ausgezeichnet. Sogar der durchschnittliche Verbrauch hat sich wieder auf unter 11 Litern eingepegelt.
Kurz vor der Stadt beginnt es zu schütten und es bilden sich Bäche und Seen über und auf der Strasse. Auf der Fahrt hatten wir noch überlegt das Auto waschen zu lassen. Besonders der Unterboten ist total verschlammt und hätte es mal nötig. Das hat sich jetzt erledigt, denn die tiefste Pfütze war gut 40 cm tief und mehr als 100 m lang.



In Cartagena klappern wir noch zwei Agenten für die Verschiffung ab, aber heute ist Maria Empfängnis und das nehmen alle recht ernst. Alle Läden, Geschäfte etc sind geschlossen. So fahren wir zu einem eingetragenen Overlander Platz in mitten der Stadt.



KARIBIK?
Tag 413, Cartagena

Am Abend kamen noch drei andere Autos, wir treffen Pepe und Melo wieder und lernen Nina und Wolfgang kennen. Wir gehen in die Altstadt und lassen das Flair vergangener Tage auf uns wirken. Sinnen über Piratenangriffe und den Gestank der Stadt vor mehr 300 Jahren nach. Cartagena ist eines der Highlights in Kolumbien, angepriesen werden Traumstrände, karibisches Flair und koloniale Gemütlichkeit. Wir sind nicht ganz überzeugt.

der ehemalige Sklavenumschlagplatz

Am Abend stürzt sich zumindest eine von uns in die Fluten des warmen Karibischen Meeres. Auch die Traumstrände überzeugen nicht ganz, überall liegt Müll und selbst im Meer schwimmen winzig kleine Plastikpartikel. Umweltverschmutzung zeigt sich hier wieder ganz deutlich.






VORBEREITUNGEN
Tag 414 - 427, Cartagena

Die Tage vergehen mit dem Abwegen was es nun zu machen gilt, dem Einholen von Angeboten, Vergleichen und Informationen sammeln. Dienstag ist es dann soweit. Die Würfel sind gefallen und der Vertrag zum Verschiffen ist unterschrieben. Roll on Roll off ist für uns die günstigste Variante Puschi außer Landes zu bekommen. Zielhafen Zeebrugge in Belgien, da ist es auch abgefahren vor ein mehr als Jahren.
Am 14. Dezember fahren wir in den Hafen ein und haben die wirklich stressigsten Tage hinter uns. aufräumen, umräumen und packen. Das ist extra kompliziert, da wir noch ein paar Tage hier sind, dann zuhause in Deutschland und Puschi erst Mitte bis Ende Januar zurück bekommen und dann kommt ja auch noch die Sache mit dem Zoll. Das lassen wir jetzt erstmal getrost beiseite, gibt genügend andere Sache die geklärt sein wollen.
In der Zwischenzeit genießen und fluchen wir gleichermaßen über die 30°C nachts und 35°C tags.

 Camping im Großstadtidyll

 täglicher Besucher (gut 1 m lang)

Gretas neues Zimmer

Wir können uns glücklich schätzen einen Agenten für die Verschiffung engagiert zu haben. Den Preis gibt es aber auch nur im kompletten Paket und wir müssen uns um, sagen wir mal wenig kümmern. Nur mit der Bezahlung bekommen wir etwas Bauchschmerzen. 7.050.000 Pesos sollen wir in Bar bezahlen und aus dem Automaten kommen maximal 780.000. Also müssen wir 10 mal Geld abheben und hoffen das die Karte nicht gesperrt wird. Nach dem zweiten mal abheben geht dann schon nix mehr. Zum Glück haben wir drei Karten eine davon noch nie benutzt und zwei davon durch die Hitze im Auto stark verformt. Am nächsten Tag probieren wir's und sind promt Multi-Millionäre. Wäre auch das geklärt.

Nun steht noch die Drogenkontrolle aus und wir können theoretisch heim. Die fällt aber sehr intensiv aus und findet erst unmittelbar vor Abfahrt des Schiffes statt. Es gab da wohl hin und wieder das eine oder andere Problem mit der Fracht aus Kolumbien. So sind wir dazu verdammt noch mindestens bis zum 18. In der Karibikmetropole Cartagena zu bleiben.

Die Schönheit liegt nun auch immer im Auge des Betrachters und so sind uns 3 Tage genug hier. Für die Einheimischen, also alle Südamerikaner ist die Stadt einzigartig. Doch für Europäer ist es eine Millionenstadt mit zugegebener Maßen schöner Innenstadt, aber eben auch den Problemen die so eine Stadt mit sich bringt. Armut und Kriminalität geballt auf kleiner Fläche. So richtig wohl fühlen wir uns nicht, liegt wohl daran das man ab jeder Ecke Cannabis, Kokain und venezolanische Damen angeboten bekommt. Immer in der Reihenfolge wenn man eins nach dem anderen verneint. Selbst mit Frau und Kind an seiner Seite.

Wir nehmen uns ein Apartment, die günstigste Unterkunft neben den Partyhostels, in das wir nicht einchecken dürfen, da wir ein Kind mit uns haben und buchen das bis zum Termin der Drogenkontrolle im Hafen. Dieser Termin ist aber nur voraussichtlich und so kommt es das bei unserer Nachfrage, ob das nun alles so klappt und wir uns um einen Rückflug kümmern können die Antwort OK kein Problem. 2 Minuten später die Nachricht naja das Schiff hat Verspätung und fährt nicht am 18. sondern Dienstag den 19. jedoch ist das auch nicht ganz klar aber Montag früh, noch vor Mittag bekommen wir Bescheid. Etwas anderes hatten wir auch kaum erwartet und legen den Flug auf Donnerstag von Bogota aus, bis dahin sollte es doch zu schaffen sein. Wenn alles glatt geht haben wir noch einen Tag für die Hauptstadt bzw. einen Tag Puffer.

Jetzt können wir uns zurücklegen und entspannen. Es liegt nicht mehr an uns, denn die Verantwortung haben wir dem Agenten in die Hand gelegt und das beruhigt ungemein. In Belgien das selbe, denn ohne Agent auf dieser Seite kann der Vertrag nicht abgeschlossen werden. So können wir Weihnachten doch noch zuhause verbringen.



DROGENKONTROLLE
Tag 426, Cartagena, 

Alle, wirklich alle Sache liegen vor Puschi auf dem Parkplatz bei 52 Grad in der Sonne. Ein leises fast unterschwellige poppen und der Boden färbt sich Blutrot. Es dauert einen Moment bis es auch bei mir durchsickert, der Rotwein. Die Hitze hat den Korken aus der Fläche getrieben, obwohl noch ein paar Sachen darauf lagen. Ich werde fürchterlich traurig und in mir steigt eine Wut hoch. Die Flasche fahren wir seit 407 Tagen im Puschi rum oder anders seit 26755 km. Immer darauf bedacht sie nicht kaputt zu machen oder einfach zu trinken. Es sollte die Flasche sein mit der wir zu Hause, bei unserer Rückkehr mit der Familie trinken und uns das erlebte durch Kopf und Gaumen gehen lassen. Warum können die nicht auch wie jedes andere Land Hunde zum aufspüren einsetzen. In meiner Wut komm ich auf die einzige logische Erklärung, Hunde können nicht geschmiert werden. Der Beamte schaut hier und da, in einem oder dem anderen Beutel nach, geht ins Auto klopft an der Decke und schaut in ein Drittel der Schränke. Arbeit getan und ich räum alles wieder ein. 2 Stunden Arbeit für mich keine 5 Minuten für ihn. 

geschafft


DER LETZTE TAG
Tag 427, Cartagena

Den letzten Tag gehen wir nochmal ins warme Meer. Die Temperaturen sind gleich, so um die 30 Grad.  Nachdem die Sonne feuerrot im Meer verglüht ist machen wir uns hübsch und fahren in die Stadt. Wir waren heute Mittag extra Beide beim Frisör. Haben die Haare nicht zu kurz gemacht, denn die Fotos die wir aus Deutschland bekommen haben zeigen Schnee und dafür muss es mindestens 30 Grad kälter sein. Wir treffen uns mit Nina und haben einen lustigen Abend. Bis wir dann gegen zwölf müde werden. Greta hat immerhin bis kurz nach zehn durchgehalten, auch ohne Mittagsschlaf und halb acht aufstehen.
 weihnachtlicher Glanz
 traditionelle karibische Tänze
 Greta macht mit



DER WIRKLICH ALLERLETZTE TAG AUF SÜDAMERIKANISCHEN BODEN
Tag 428, Cartagena - Bogota

Der erste Schritt Richtung Deutschland ist der nach Bogota. So haben wir einen Inlandflug gebucht. Die sind wirklich preiswert in Kolumbien, selbst zur Weihnachtszeit. 10:30 geht er und wir sind extra früh auf dem Flughafen um noch zu frühstücken. Bei der Gepäckabgabe erfahren wir das der Flieger Verspätung hat. Hahaha es bleibt beim Flugglück. Das 3. Mal von 4 Flügen hat was nicht geklappt. Die Dame am Schalter hat uns aber freundlicher Weise in einen Flug vorher eingecheckt. Der hat auch Verspätung, aber es sind noch ein paar Sitze frei. So ist unser neuer Abflugtermin 45 Minuten eher, hat aber bereits eine halbe Stunde Verspätung. Als wir dann abheben starten wir bei wolkenlosem Himmel und eher durch Zufall sehen wir die schneebedeckten Gipfel des Parque National Natural Sierra Nevada de Santa Marta, des Höchsten Küstengebirges der Welt. Hier reicht der Pico Simon Bolivar 5775 m nur 45 km vom Karibischen Meer in den Himmel. Leider lässt er sich kaum fotografieren aus dem Flugzeug. Den heben wir uns für ein anderes Mal auf.


In Bogota geht's ganz schnell und wir sind bereits 30 Minuten nach der Landung im Hotel. Hier bekommen wir ein Upgrade. Statt des billigsten Zimmers bekommen wie ein richtig großes und der Grund war Greta. Das Zimmer, welches wir gebucht hatten hat nur ein recht kleines Bett, da hatte die Dame an der Rezeption Mitleid.
Den Rest des Tages haben wir noch mit einkaufen verbracht. Leider wieder mäßig erfolgreich und dabei haben wir diesmal jeder 2 mal 23 Kilo. Wir kommen nicht mal auf ein Viertel.



CHAO AMERICA DEL SUR
Tag 429, Bogota - über dem Atlantik

Am Morgen treffen wir uns noch mit Annes Schwiegereltern Gloria und Arthur zum frühstücken und plaudern.  Noch ein wirklich allerletzten Ausflug ins berühmte Goldmuseum von Bogota.




 das berühmteste Stück

 Danach holen wir am Nachmittag unser Gepäck und es geht zum Flieger. Gemischte Gefühle. Einerseits hatten wir durch die Ereignisse der letzten Wochen wirklich die Faxen dicke von Südamerika, wir freuen uns auf zu Hause, auf Familie und Freunde, auf Weihnachten, auf dunkles Brot und Brötchen, auf leckeren Käse und Räucherlachs.


Anderseits sind wir auch ein wenig wehmütig, den Kontinent mit den vielen Gegensätzen, den wunderschönen Landschaften und den einzigartigen Naturereignissen, den vielen wunderbaren Menschen die wie hier kennen gelernt haben hinter uns zu lassen. Das wir irgendwann wieder zu Hause sein werden wussten wir, ob wir je wieder hierher kommen steht in den Sternen und so ist es doch ein schwerer Abschied.




ÜBERRASCHUNG
Tag 430, Frankfurt - Deutschland

Die Spannung steigt, der Flieger landet, wir sind aufgeregt. Nicht nur alle wieder zu sehen, sondern vor allem weil wir gleich die Bombe platzen lassen können. Seit 6 Monaten tragen wir das Wissen nun mit uns umher und endlich können wir es mit denen teilen die uns am Wichtigsten sind.

Die Reise zu Zweit geplant, zu Dritt durchgeführt und zu Viert wiedergekommen. 



Schöne Weihnachten an euch allen! Wir sind dann mal wider da, vorerst.